Zweimal ein überzeugtes JA an der Urne

Am 29. November 2020 stimmen wir über die Konzernverantwortungsinitiative und die Kriegsgeschäfte-Initiative ab. Beide Initiativen fordern doch menschliche Selbstverständlichkeiten.

Wenn im Blausee, dem Touristenmagneten im Berner Oberland, plötzlich Tausende von Forellen tot im Wasser treiben und Verdachtsmomente bestehen, dass von einer Baustelle in der Nähe Giftstoffe ins Grundwasser gelangt seien und das Sterben verursacht haben könnten, wird eine Untersuchung eingeleitet und allfällige Verantwortliche werden zur Rechenschaft gezogen. Genau dasselbe soll geschehen, wenn in Regionen, vorwiegend im globalen Süden, Tausende von Menschen bei ihrer Arbeit krank werden oder sterben. Unternehmen, die jetzt schon sorgfältig menschen- und umweltgerecht produzieren und uns Konsumentinnen und Konsumenten den Kauf von fairen Produkten ermöglichen, haben von der Konzernverantwortungsinitiative (Kovi) nichts zu befürchten. Grossunternehmen, deren CEOs jetzt in ganzseitigen Inseraten versichern, dass sie ebenfalls an Menschenrechten und Umweltschutz interessiert seien, während wir in den Zeitungen weiterhin regelmässig von neuen Umweltskandalen lesen, müssen sich neu konkreter verantworten, wenn der Verdacht sich erhärtet, dass sie ihren Sorgfaltspflichten nicht nachkommen – ob in der Schweiz oder anderswo. Das Ziel ist selbstverständlich, dass solche – für die Geschädigten im Übrigen aufwendigen – Rechtsverfahren gar nicht mehr nötig sind, indem Menschen- und Umweltrechte in Zukunft überall eingehalten werden.

 

Und die Kirchen, die bei solchen Themen regelmässig für ihre – obwohl differenzierten – Stellungnahmen kritisiert werden? Es ist nicht «die Kirche», die diese Initiative mit lanciert hat, sondern es sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von renommierten kirchlichen und anderen Hilfswerken, die seit Jahrzehnten aufgrund ihrer Erfahrungen vor Ort auf Missstände aufmerksam machen und nachhaltige Verbesserungen fordern. In den 1980er Jahren haben kirchlich-ökumenische Kreise die Grundwerte «Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung» als Leitlinie formuliert. Für viele, auch für mich, sind diese Werte wegleitend geblieben im privaten, beruflichen, kirchlichen und politischen Engagement. Bei der Konzernverantwortungsinitiative wie auch bei der Kriegsgeschäfteinitiative stimme ich überzeugt Ja.

 

(Leser*innenbrief, erschienen im Tössthaler vom 17.11.2020)